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Abstract
der Magisterarbeit
Die
Schrecksekunde des Blitzes: Trauma und Fotografie
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Will
man wirklich auf ernster Ebene von der Fotografie sprechen,
so muß man sie zum Tod in Beziehung bringen.
Es stimmt, das Foto ist ein Zeuge, aber ein Zeuge dessen,
was nicht mehr ist. Selbst wenn das Subjekt noch lebt,
wurde dennoch ein Moment des Subjekts fotografiert, und
dieser Moment ist nicht mehr. Und das ist ein gewaltiges
Trauma für die Menschheit, ein Trauma, das sich ständig
erneuert. (Roland Barthes)
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Der Fotografie ist etwas zutiefst Traumatisches zu Eigen.
In ihr verbindet sich der Stillstand des Augenblicks mit
der unabänderlichen Vergangenheit, aus der der Tod zu
uns spricht. Eine Traumatisierung kann ihrerseits bildhafter
Natur sein, da der Betroffene jederzeit durch nicht steuerbare
Erinnerungsbilder befallen werden kann. Durch diese unvermittelt
auftauchenden Bilder wird die Vergangenheit so präsent,
dass die Chronologie des zeitlichen Erlebens außer Kraft
gesetzt wird. In ähnlicher Weise transportiert auch die
Fotografie Bruchstücke der Vergangenheit in die Gegenwart.
Schon Anfang des vorigen Jahrhunderts verglich Sigmund
Freud die Bewusstmachung traumatischer Erlebnisse mittels
der Psychoanalyse mit der Entwicklung eines Negativs zur
belichteten Fotografie.
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Eine
grobe, aber ziemlich angemessene Analogie dieses supponierten
Verhältnisses der bewußten Tätigkeit zur unbewußten bietet
das Gebiet der gewöhnlichen Photographie. Das erste Stadium
der Photographie ist das Negativ; jedes photographische
Bild muß den ‚Negativprozess‘ durchmachen, und einige
dieser Negative, die in der Prüfung gut bestanden haben,
werden zu dem ‚Positivprozess‘ zugelassen, der mit dem
Bilde endigt. (Sigmund Freud)
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Die Aufhebung der zeitlichen Kontinuität, die Gegenwärtigkeit
des Todes und der Entwicklungsprozess vom unbewussten
zum bewussten Bild sind entscheidende Bindeglieder zwischen
Trauma und Fotografie, mit denen sich diese wissenschaftliche
Arbeit beschäftigt. Wie diese Aspekte in der Literatur
aufgegriffen werden, wird anhand der Romane Austerlitz
von W.G. Sebald, Allerseelen von Cees Nooteboom und Extremely
Loud and Incredibly Close von Jonathan Safran Foer untersucht,
deren traumatisierte Hauptpersonen eine deutliche Affinität
zu den Medien Fotografie und Film teilen. Austerlitz,
der Protagonist aus W.G. Sebalds gleichnamigem Roman,
wurde kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges von seinen
Eltern getrennt, die im Holocaust ums Leben kamen. Arthur
Daane, Nootebooms Hauptcharakter, verlor seine Familie
kurze Zeit vor dem Berliner Mauerfall. Als aktuellstes
Ereignis reihen sich die Anschläge des 11. September in
diesen Zeitlauf ein, bei denen der Vater von Foers Romanhelden
Oskar starb. Es wird der Frage nachgegangen, wie sich
die Protagonisten die Fotografie zunutze machen und wie
dies in Relation zu ihrer Traumatisierung zu bewerten
ist. Es zeigt sich, dass die Fotografie als Symptom der
Traumatisierung in Erscheinung tritt, aber auch einer
aktiven Verarbeitung dient.
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Magisterarbeit
( PDF - 131 Seiten )
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